Museumsbahn Schönheide
WCd - historisch
http://www.museumsbahn-schoenheide.de/historie.html

© 2017 Museumsbahn Schönheide
 
Startseite  -  Kontakt  -  Impressum
 

Die WCd - Die Erste sächsische Schmalspurbahn

"WCd" ist die offizielle Abkürzung der Strecke Wilkau-Haßlau - Carlsfeld

Aus der Geschichte der ersten sächsischen Schmalspurbahn

Wo heute unser kleines Bahn´l zwischen Schönheide und Stützengrün, am Fuß des Kuhbergs, durch das malerische Erzgebirge schnauft, fuhr bis 1977 die erste und mit fast 42 km die längste 750 mm Schmalspurbahn Sachsens.

Mit der Eröffnung der Strecke Wilkau - Kirchberg als erste Schmalspurbahn in Sachsen, begann ein ungeahnter Aufschwung dieser kleinen Bahnen, der ein knappes Jahrhundert andauern sollte. In Sachsen entstand ein einzigartiges Netz an Schmalspurstrecken, welches im Jahr 1912 bereits 507 Kilometer betrug, was etwa 15 Prozent der Gesamtlänge der Königlich Sächsischen Staateisenbahn ausmachte. Doch warum wurden Schmalspurbahnen gebaut? Wie der Name schon sagt, fährt die Bahn auf einem schmaleren Gleis von nur 750 mm Spurweite, während die Spurweite der Regelspur 1435 mm beträgt. So konnten enge Gleisbogen bis zu einem Radius von 40 m gebaut werden. Die Strecken passten sich besser den Geländeverhältnissen an und kamen mit weniger Brücken und Dammschüttungen aus, was die Baukosten wesentlich senkte.

Durch die Schmalspurbahnen wurde nun auch in entlegenen und ländlichen Gebieten ein Bahnanschluss möglich, der so den erhofften wirtschaftlichen Aufschwung brachte.

Zur wirtschaftlichen Weiterentwicklung benötigte die Stadt Kirchberg Ende des 19. Jahrhunderts dringend einen Eisenbahnanschluss. Nach fast 20 jährigem Kampf der Bürger von Kirchberg um solch einen Anschluss, wurde am 2. März 1880 der Bau der Trasse von Wilkau über Kirchberg nach Saupersdorf genehmigt. Allerdings sollte der Bau dieser Linie schmalspurig erfolgen, da eine Regelspurstrecke bereits vor den Toren Kirchbergs hätte enden müssen und gegenüber dem Straßenverkehr nicht konkurrenzfähig gewesen wäre.

Die Vorarbeiten zum Bau der ersten sächsischen Schmalspurbahn begannen im April 1880, während der offizielle Baubeginn am 10. Mai 1881 war. Nach nur 18 Monaten Bauzeit fuhr am 16. Oktober 1881 der Eröffnungszug auf der 6 Kilometer langen Strecke von Wilkau nach Kirchberg. Währenddessen begannen bereits die Arbeiten zur 3,5 Kilometer langen Fortsetzung nach Saupersdorf. Diese Arbeiten waren bei weitem aufwendiger und es dauerte über ein Jahr, bevor am 30. Oktober 1882 der Abschnitt Kirchberg – Saupersdorf feierlich eingeweiht wurde.

Schon kurz nach der Eröffnung gab es Bestrebungen zur Verlängerung der Bahn bis auf die Höhen des Vogtlandes bei Wernesgrün. Weiterführend über Stützengrün und Schönheide sollte die Bahn an die 1875 eröffnete Normalspurbahn Chemnitz – Adorf anschließen. Um die Schmalspurbahn später bis Carlsfeld verlängern zu können, eine Petition der Gemeinde Carlsfeld lag 1889 bereits vor, entschloss man sich für den Anschlussbahnhof Wilzschhaus. Der erste Spatenstich fand im März 1892 statt. Während im unteren Streckenteil die Linie hauptsächlich der Straße folgte, wurde das Terrain nun gebirgiger und es galt Steigungen bis 1:40 zu überwinden. Umfangreiche Dammschüttungen und zahlreiche Brückenbauwerke waren erforderlich, um die Strecke in das 293 m höher gelegene Schönheide zu bringen. Die bekanntesten waren unter anderem der große Stützengrüner Viadukt, mit einer Länge von 118,52 m und einer Höhe von 20,9 m und der Muldeviadukt vor dem Bahnhof Wilzschhaus, mit einer Gesamtlänge von 162,10 m und einer Höhe von 12,5 m.

Durch die geographische Lage mussten beim Bau der Strecke von Wilkau nach Carlsfeld 535 Höhenmeter überwunden werden. Markant für die gesamte Streckenführung sind Viadukte und Brücken.

 

Die herausrangendsten Brückenbauwerke sind die beiden Stützengrüner Viadukte, sowie das Muldentalviadukt  mit einer Gesamtlänge von 162 m.

Erwähnenswert ist auch, dass zwei kleinere Straßenbrücken in Schönheide nach damals neuester Bauart als Betonbrücken ausgeführt wurden. Nach nur 21 Monaten Bauzeit wurde am 14.12.1893 das 24 Kilometer lange Teilstück Saupersdorf – Wilzschhaus eröffnet.

Weitere 3 ½ Jahre sollten ins Land gehen, bevor am 21.6.1897 das letzte Teilstück Wilzschhaus – Carlsfeld in Betrieb genommen wurde. Mit 41,9 Kilometern Streckenlänge war nun auch die längste Schmalspurstrecke (abgesehen von den Streckennetzen um Mügeln und Wilsdruff) entstanden.

Ab 1965 wurden Untersuchungen angestellt einen Verkehrträgerwechsel durchzuführen. 1967 begann der teilweise Rückbau der Strecke. Der letzte planmäßige Güterzug verkehrte 1977. Dieser Rückbau war 1979 weitestgehend abgeschlossen. Der Abriß der Viadukte zog sich bis 1982 hin.

Vom Bahnbetrieb und seinen Besonderheiten

Im Durchschnitt verkehrten täglich 35 Personenzüge, wobei der Hauptbetrieb im Zubringerverkehr zu den Anschlussbahnhöfen Wilkau und Wilzschhaus lag. Aufgrund der geringen Geschwindigkeit von 20 km/h und vielen Zwischenhalten dauerte eine Fahrt vom Anfangs- zum Endpunkt über 3 Stunden. Beschleunigte Personenzüge, die unterwegs nur an bestimmten Stationen hielten, schafften die Strecke in 2,5 Stunden. Die 46 Anschlussbahnen die es während der gesamten Betriebszeit gab, zeigen, welche Bedeutung die Bahn hatte.

Eine Besonderheit stellte die in Wilkau-Haßlau und Carlsfeld eingebaute Segmentdrehscheibe mit einer Nutzlänge von 6,50 m dar, die aufgrund der engen Platzverhältnisse eine normale Weichenverbindung ersetzte. Bereits 1933 wurde die Carlsfelder Segmentdrehscheibe wieder ausgebaut, da es im Winter häufig Schwierigkeiten gab.

Wegen des starken Gefälles von 1:18 zwischen Carlsfeld und Blechhammer gab es Verkehrseinschränkungen und besondere Bestimmungen. So war nach Ankunft eines Zuges im Bf. Carlsfeld die Einfahrweiche sofort umzulegen, um ein Ablaufen der Wagen zu vermeiden. Die Lastgrenze zwischen Schönheide Süd und Carlsfeld lag bei 50 t, etwa 5 Waggons. Da der Rollwagenverkehr nur bis zur Hst. Wilzschmühle erlaubt war, mussten alle Güter für Carlsfeld in Schönheide Süd umgeladen werden. Eine weitere Besonderheit war der in Schönheide Süd stationierte Wagenschlosser, welcher täglich die Bremsen, der ständig nur zwischen Schönheide Süd und Carlsfeld verkehrenden Waggons, nachstellte.

Von den Anfangsjahren abgesehen, in denen Loks der Gattung I K und III K zum Einsatz kamen, wurde die Strecke ausschließlich von den legendären sächsischen IV K’s befahren. Hauptgrund dafür war die geringe Belastbarkeit des Oberbaus und der Brücken sowie die nötige Vergrößerung der Segmentdrehscheibe in Wilkau.           

Im Jahr 1950 erfolgte eine allgemeine Umbezeichnung der Schönheider Betriebsstellen. Die Stationen Neuheide, Schönheide, Oberschönheide und Wilzschhaus wurden nun Schönheide Nord, Schönheide Mitte, Schönheide West und Schönheide Süd genannt. Mit dem Regelspurbahnhof Schönheiderhammer, der nun Schönheide Ost hieß, hatte die Gemeinde 5 Bahnhöfe vorzuweisen. Soviel Stationen hätte sich manche Großstadt gewünscht.

Nicht unerwähnt soll folgende Episode bleiben. Ein, für den VEB LONDA bestimmter, mit Rohseife beladener, regelspuriger Kesselwagen musste vom Überladebahnhof Wilzschhaus per Rollwagen nach Rothenkirchen gebracht werden. Dabei unterquerte er auch die “Eierbrücke”, eine Wegüberführung. Auf der Hinfahrt passte er gerade noch hindurch. Was man jedoch nicht bedachte war die Tatsache, dass der Wagen nach seiner Entleerung leichter wurde. Die Federung des Rollwagens entspannte sich und schon war die Fuhre einige Zentimeter höher. Diese Zentimeter fehlten auf der Rückfahrt an der “Eierbrücke” und der aufgebockte Kesselwagen schleifte an der Brücke. Diese Spuren sind heute noch sichtbar. Um den Wagen doch noch nach Wilzschhaus zu bringen, musste schließlich die Bahnmeisterei einige Tage später das entsprechende Gleisstück unter der Brücke absenken.

Vom vorläufigen Ende

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges gab es nochmals einen Ansturm  in der Personenbeförderung. Schon bald wurde aber die Konkurrenz des Straßenverkehrs immer größer. Auch die fehlende Unterhaltung des Oberbaus machte sich bemerkbar. Langsamfahrstellen und daraus folgende längere Fahrzeiten waren die Folge. So wundert es nicht, dass ab 1965 ökonomische Untersuchungen für einen Verkehrsträgerwechsel angestellt wurden. Der Abschnitt Wilzschhaus – Carlsfeld war davon als erster betroffen. Am 21.5.1966 fuhr der letzte Personenzug nach Carlsfeld. Wegen Überbeanspruchung und schlechten baulichen Zustand einer Fachwerkbrücke (diese Brücke existiert heute noch) wurde im Juli 1967 der Betrieb zwischen Kirchberg und Saupersdorf eingestellt und somit die Strecke unterbrochen. Fortan gestaltete sich die Betriebsführung auf den beiden verbliebenen Teilstücken recht kompliziert. Daraufhin folgte 1970 die Stilllegung des Abschnittes Saupersdorf – Rothenkirchen und 1973 der Abschnitt Wilkau – Kirchberg. Der Todeskampf der Bahn zog sich insgesamt über 10 Jahre hin. 1977 bediente sie nur noch zwei holzverarbeitende Betriebe in Schönheide und Stützengrün mit einem bescheidenen Güterverkehr. Der Personenverkehr auf dem letzten Teilstück zwischen Schönheide-Süd und Rothenkirchen war bereits mit Auslaufen des Sommerfahrplanes am 29.09.1975 eingestellt worden. Das offizielle Ende des Bahnbetriebes wurde am 30.04.1977 vollzogen, um 13.55 Uhr fuhr der letzte planmäßige Güterzug 67984 geführt von der  Lok 99 568 im Bahnhof Schönheide-Mitte ein.

Mit der schrittweisen Streckenstilllegung begann auch der Rückbau der Gleisanlagen und Brücken. Ein Teil der ehemaligen Trasse wurde bebaut oder als Weg benutzt, den Rest holte sich die Natur zurück. Dieses traurige Kapitel zog sich bis zum Jahr 1982 hin und fand seinen traurigen Höhepunkt im sinnlosen Abbruch der Viadukte, von denen das große Stützengrüner Viadukt kurze Zeit den Status eines Denkmals trug.

Die Schließung ihrer Schmalspurbahn ließ die Anwohner sowie die Freunde der Bahn nicht unberührt. An den vollen und auch von außen begleiteten Abschiedszügen konnte man die große Anteilnahme an der Schmalspurbahn erkennen. Schon bei der Schließung versuchten Eisenbahner und Freunde  Zeugen dieser Bahn für die Nachwelt zu erhalten. So verblieben im Kirchberger Lokschuppen die Lok 99 581 mit 2 Personen- und 1 Packwagen, hier sollte ein Gaststätte mit Museum entstehen. An ihrem Bahnhof stellte die Gemeinde Rothenkirchen mit der 99 516  die älteste erhaltene sächsische IV K als Denkmal auf. Einige Güterwagenkästen überlebten als Lager auf Bahnhöfen oder Privatgrundstücken. Auch manches andere Relikt überlebte, andere Erinnerungen sind auf unzähligen Fotos und Filmaufnahmen festgehalten. Die notwendigen Aufwendungen zur Herrichtung des Lokschuppens und der Fahrzeuge waren der Gemeinde Kirchberg im Nachhinein zu groß, so dass  trotz aller Bemühungen und Proteste 1983, 10 Jahre nach Schließung des Bahnhofs Kirchberg, die Fahrzeuge zur Erfüllung des Schrottsolls dienten und auf dem Gelände des Lokschuppens ein Abstellplatz für Busse und LKW der Wismut AG entstand. Auch vieles Andere ist verschwunden oder verfallen, die Bahn und ihr Beitrag zur wirtschaftlichen Entwicklung der von ihr berührten Regionen geriet zwischenzeitlich fast in Vergessenheit. Doch nie sind die Erinnerungen an die „Bimm“ ganz entschwunden.

Der Weg zur Museumsbahn

Mit der wirtschaftlichen und politischen Wende in Deutschland ergaben sich für Eisenbahnfreunde Möglichkeiten, den Wiederaufbau stillgelegter Strecken zu planen und durchzuführen, von denen sie vorher nur träumen konnten. Einige ehemalige Eisenbahner und Freunde der „Bimm“ hatten den Gedanken, mit dem Wiederaufbau als Touristenbahn einen ursprünglichen Teil sächsischer Eisenbahngeschichte mit neuem Leben zu erfüllen. Auf ihre Initiative hin gründete sich am 05.04.1991 die Interessengemeinschaft Schmalspurmuseumsbahn Schönheide. Neben dem Erhalt und der betriebsfähigen Aufarbeitung von Fahrzeugen sächsischer Schmalspurbahnen, sollte mit dem Wiederaufbau als Museumsbahn auch eine touristische Attraktion geschaffen werden. Heute sind wir der eingetragene Verein „Museumsbahn Schönheide e.V.“.

 

Die Eckdaten der alten „Bimm“

10.05.1881

 

erster Spatenstich am sog. „Hasenloch“ bei Cunersdorf

Sept. 1881

 

Baubeginn Kirchberg – Saupersdorf

16.10.1881

 

Eröffnung Wilkau – Kirchberg

30.10.1882

 

Eröffnung Kirchberg – Saupersdorf

März 1892

 

Baubeginn Saupersdorf – Wilzschhaus

14.12.1893

 

Eröffnung Saupersdorf – Wilzschhaus

Mai 1896

 

Baubeginn Wilzschhaus – Carlsfeld

21.06.1897

 

Eröffnung Wilzschhaus – Carlsfeld

 

 

 

15.07.1967

 

Einstellung des Verkehrs zw. Schönheide Süd und Carlsfeld sowie Saupersdorf ob. Bf. und Kirchberg

31.12.1970

 

Einstellung des Verkehrs zw. Saupersdorf ob. Bf. und Rothenkirchen

02.06.1973

 

Einstellung des Verkehrs zw. Wilkau-Haßlau und Kirchberg

27.09.1975

 

Letzter Personenzug Schönheide Süd – Rothenkirchen

04.02.1976

 

Einstellung des Verkehrs zw. Rothenkirchen und Hst. Stützengrün

30.04.1977

 

Letzter Güterzug Schönheide Süd – Stützengrün

bis August 1979

 

Demontage der noch vorhandenen Gleise

Juli 1980

 

Abbruch des Muldeviaduktes bei Wilzschhaus

April -Aug. 1981

 

Abbruch des großen Stützengrüner Viaduktes mittels Hubschrauber

Mai - Sept. 1982

 

des kleinen Stützengrüner Viaduktes mittels Hubschrauber

 

 

 

 

 

beide Viadukte wurden mittels Hubschrauber abtransportiert